Digitale Gewalt wird zunehmend zu einem Thema für die medizinische Versorgung. Der Runde Tisch Berlin „Gesundheitsversorgung bei häuslicher und sexualisierter Gewalt“ hat deshalb eine neue Handlungsempfehlung für medizinisches Personal veröffentlicht.
Vorgestellt wurde sie am 6. Aktionstag des Runden Tisches am 2. September 2026 im Jüdischen Krankenhaus Berlin. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Digitale Gewalt ist Gewalt. Auch in Beziehungen“.
Fachlicher Austausch im Krankenhaus
Eingeladen hatten die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege als federführende Verwaltung sowie der Runde Tisch Berlin. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Rolle digitale Gewalt in der gesundheitlichen Ersthilfe spielt und wie sie besser in bestehende Versorgungsabläufe integriert werden kann.
Im Rahmen einer Fortbildung wurde Mitarbeitenden praxisnah vermittelt, wie Krankenhauspersonal digitale Gewalt erkennen, ansprechen und Betroffene unterstützen kann.
Digitale Gewalt trifft vor allem Frauen und Mädchen
Aktuelle Zahlen zeigen die wachsende Bedeutung des Themas. Das Bundeskriminalamt erfasste im Jahr 2024 knapp 30.000 Menschen, die Opfer digitaler Gewalt wurden. Mehr als die Hälfte davon waren Frauen und Mädchen.
Etwa jeder sechste Fall ereignete sich in bestehenden oder früheren Beziehungen. Gegenüber 2023 stieg dieser Anteil um elf Prozent.
Kontrolle, Stalking und Bedrohung
Digitale Gewalt tritt in Beziehungen häufig nicht isoliert auf. Sie ergänzt und verstärkt analoge Formen von Gewalt. Betroffene werden etwa per SMS, E-Mail oder über soziale Medien bedroht, kontrolliert oder bloßgestellt.
Auch GPS-Tracker und Spyware können eingesetzt werden, um Menschen zu überwachen. Digitale Gewalt dient damit häufig der Machtausübung und kann erhebliche gesundheitliche Folgen für Betroffene haben.
Gesundheitswesen soll Brücken ins Hilfesystem bauen
Gesundheitsstaatssekretärin Ellen Haußdörfer sieht in der zunehmenden digitalen Gewalt eine ernstzunehmende Entwicklung. Die hohe Zahl der Betroffenen zeige, wie wichtig die Einbindung des Gesundheitswesens sei.
Auch wenn Betroffene medizinische Einrichtungen nicht ausdrücklich wegen digitaler Gewalt aufsuchten, könne dort aufgrund des besonderen Vertrauensverhältnisses ein Gespräch entstehen. Deshalb sollten Beschäftigte über Formen digitaler Gewalt informiert sein, Handlungsmöglichkeiten kennen und Betroffene an spezialisierte Hilfsangebote weitervermitteln können.
Die neue Handreichung soll Fachpersonal dabei unterstützen, digitale Gewalt alltagsnah und bedürfnisorientiert in die Versorgung einzubeziehen.
Erste Handlungsempfehlung dieser Art
Anlässlich des Aktionstages veröffentlichte der Runde Tisch Berlin die bundesweit erste Handlungsempfehlung mit dem Titel „Digitale Gewalt – Thema in Ersthilfe und gesundheitlicher Versorgung bei häuslicher und sexualisierter Gewalt“.
In der Diskussion ging es darum, wie digitale Gewalt in der Routineversorgung angesprochen werden kann. Beteiligt waren neben Gesundheitsstaatssekretärin Haußdörfer auch Ärztinnen und Ärzte des Jüdischen Krankenhauses, Fachleute für digitale Gewalt sowie Menschen mit eigener Erfahrung.
Praxistaugliche Informationen für den Alltag
Marion Winterholler von der Geschäftsstelle des Runden Tisches betont, dass Mitarbeitende in der Gesundheitsversorgung vor allem kurze und praxisbezogene Informationen benötigen, die sich in bestehende Abläufe integrieren lassen.
Die Handreichung solle entlasten und nicht den Anspruch erheben, medizinisches Personal zu Expertinnen und Experten für digitale Gewalt zu machen. Entscheidend sei vielmehr, digitale Gewalt in Beziehungen mitzudenken, Betroffene aktiv anzusprechen, ihre Erfahrungen ernst zu nehmen und über Hilfeangebote zu informieren.
Die Handlungsempfehlung ist online über die Materialien des Runden Tisches Berlin abrufbar.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Stadt Berlin/Veröffentlicht am 02.09.2026 und wurde unter Zuhilfenahme von KI erstellt.