Nicht nur im Privaten und bei der Ausübung von Hobbys lauern gesundheitliche Risiken, auch im Büro ist nicht alles „eitel Sonnenschein“! Man denke beispielsweise an die Belastung der Augen. Viele Stunden am Tag richtet sich der konzentrierte Blick auf die glasige Oberfläche des Bildschirms. Da wundert es nicht, dass die Augen irgendwann überlastet sind. Aber auch im seelischen Bereich zeigt sich eine solche Überforderung, sie bedeutet Stress. Unterforderung dagegen sorgt für Langeweile und Stagnation. Soziale Isolation ist nicht selten die Folge des gesteigerten Konkurrenz- und Leistungsdenkens unserer modernen Gesellschaft.
Viele haben sich allerdings schon darüber gewundert, warum Menschen, die den gleichen Belastungen ausgesetzt sind, höchst unterschiedlich reagieren können. Während die einen bei der kleinsten unerwarteten Störung auf die Palme gehen, bleiben die anderen „die Ruhe selbst“. Nichts bringt sie aus der Fassung – eine bewundernswerte Eigenschaft. Das Zauberwort heißt hier: Betriebliche Gesundheitsförderung! Worum es dabei genau geht und gegen welche Belastungen diese eingesetzt werden kann, wollen wir hier etwas genauer beleuchten.
Physische Belastungen am Arbeitsplatz
Physische Belastungen betreffen zum einen die Augen, die besonders unter Spiegelungen und Blendungen auf dem Monitor, einer verschmutzten Bildschirmoberfläche, dem flimmernden Bildschirm und einem schlecht ausgeleuchteten Raum leiden. Aber auch der Stütz- und Bewegungsapparat wird an Büro- und Bildschirmarbeitsplätzen stark belastet. Dies primär dann, wenn der Betreffende sich nicht ausreichend bewegt. Bewegungsmangel und Zwangshaltungen schaden der Muskulatur genauso wie den Bandscheiben und dem gesamten Herz-Kreislaufsystem.
Viele Belastungen, egal ob sie die Augen oder den Stütz- und Bewegungsapparat betreffen, könnten jedoch sehr einfach reduziert werden, indem z. B. der Arbeitsplatz nach ergonomischen Richtlinien gestaltet wird. Ergonomische Büros sind daher ein wichtiges Thema, dem im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung eine große Bedeutung zukommt.
Psychische Faktoren
Psychische Belastungen haben in den letzten Jahren stark zugenommen. In der Agrar- und der anschließenden Industriegesellschaft verdienten weit mehr Menschen als heute ihr Geld mit schwerer oder mittelschwerer körperlicher Arbeit. Entsprechend dominierten damals physische Belastungen: schweres Heben, Staub, Kälte usw.
Mit den veränderten Arbeitsaufgaben und Arbeitsmitteln unserer Zeit sind die kognitiven Anforderungen an die Arbeitnehmer gestiegen. Psychische Überforderung durch zu hohe Aufgabenmengen oder qualifikatorische Defizite stellen ebenso Gefahren für die Gesundheit der Beschäftigten dar wie Unterforderung durch zu leichte oder zu wenig Arbeit. Aber auch die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, ist typisch für eine Gesellschaft, in der Konkurrenz und Wettbewerb dominieren.
Die betriebliche Gesundheitsförderung zielt daher darauf ab, möglichst ein Gleichgewicht aus herausfordernder Arbeit bei gleichzeitiger Begrenzung der Belastung auf ein gesundes Maß zu schaffen.
Soziale Belastungen
Soziale Belastungen durch mangelnde oder gestörte Sozialbeziehungen am Arbeitsplatz beeinträchtigen die Arbeitszufriedenheit und damit die Gesundheit der Beschäftigten sehr stark. So haben Rationalisierungsmaßnahmen beispielsweise dazu geführt, dass der Leistungs- und Zeitdruck auf die Beschäftigten gestiegen ist und der Konkurrenzkampf immer weiter verstärkt wurde. Viele Arbeitgeber betrachten dieses Konkurrenzprinzip als notwendig und unverzichtbar, da es ihrer Meinung nach schlummernde Energien in den Mitarbeitern freisetzt.
Leider erweist sich diese Unternehmensphilosophie nicht selten als Schuss nach hinten. Die Beschäftigten werden regelrecht gegeneinander aufgehetzt. Eigennütziges Denken, Desinteresse am anderen und verweigerte Unterstützungs- und Hilfeleistungen sind die verheerenden Folgen. In schwerwiegenden Fällen werden Kollegen gezielt tyrannisiert und sogar in Krankheit oder Tod getrieben – ein trauriges Phänomen, das neudeutsch als „Mobbing“ bezeichnet wird und in vielen Betrieben mittlerweile ein großes Problem darstellt.
Die betriebliche Gesundheitsförderung arbeitet gegen diese Entwicklung und gibt Hilfen, um den Zusammenhalt unter den Mitarbeitern zu stärken und schädliches Konkurrenzdenken zu unterbinden.
Das übergeordnete Ziel: schützende Ressourcen schaffen!
Zu den sogenannten schützenden Ressourcen zählen bestimmte Persönlichkeitsmerkmale wie Selbstvertrauen und ein stabiles Selbstwertgefühl. Aber auch in den Arbeitsbedingungen liegen wesentliche Gesundheitspotentiale, z. B. in gut geplanten Arbeitsabläufen, in Handlungsspielräumen und Mitgestaltungsmöglichkeiten für die Mitarbeiter. Ganz wesentlich für das Wohlbefinden sind zudem positiv erlebte soziale Beziehungen am Arbeitsplatz.
All diese Aspekte werden durch die betriebliche Gesundheitsförderung gelehrt, gefördert und perfektioniert.