Ab dem 7. November darf sich das Saarland offiziell Fairtrade-Bundesland nennen – eine Premiere in Deutschland. Ministerpräsidentin Anke Rehlinger machte deutlich, dass ihr Bundesland als erstes zeige, wie sozialer und ökologischer Wandel auch auf Landesebene aktiv gestaltet werden könne. Sie betonte außerdem, dass fairer Handel eine gemeinsame Aufgabe sei, der das Saarland mit großem Verantwortungsbewusstsein nachgehe. Christine Streichert-Clivot, Ministerin für Bildung und Kultur sowie Vorsitzende der Steuerungsgruppe faires Saarland, verwies darauf, dass sowohl die Bevölkerung als auch die Landesverwaltung seit vielen Jahren engagiert am fairen Handel mitwirken. Die neue Auszeichnung verdeutliche aus ihrer Sicht, dass das Streben nach globaler Gerechtigkeit fest im politischen Handeln verankert sei.
Da die Entwicklungszusammenarbeit im Saarland dem Bildungs- und Kulturministerium zugeordnet ist, liegt die Koordination des fairen Engagements ebenfalls bei Streichert-Clivot.
Saarland setzt ein starkes Zeichen
Claudia Brück, Vorständin von Fairtrade Deutschland, hob die besondere Rolle des Saarlandes hervor. Sie erklärte, das Bundesland zeige gerade in Zeiten, in denen die Entwicklungszusammenarbeit vielerorts zurückgefahren werde, dass nachhaltiger Konsum und globale Verantwortung keine geografischen Grenzen hätten. Sie äußerte den Wunsch, dass andere Bundesländer diesem Beispiel folgen.
Das Engagement des Saarlandes hat eine lange Tradition: Die Landeshauptstadt Saarbrücken erhielt bereits 2009 als erste deutsche Stadt die Auszeichnung Fairtrade-Town. 2014 folgte die Universität des Saarlandes als erste Fairtrade-University im Land. Heute lebt ein Großteil der Bevölkerung in Fairtrade-Kommunen, 21 Schulen tragen den Titel Fairtrade-School, und zahlreiche Geschäfte, gastronomische Betriebe sowie öffentliche Einrichtungen bieten Produkte aus fairem Handel an.
Ein Jahrzehnt Zusammenarbeit für ein gemeinsames Ziel
Um die Kriterien für die Auszeichnung zu erfüllen, war ein rund zehnjähriger Prozess notwendig, geprägt von intensiver Kooperation zwischen der Zivilgesellschaft und der Landespolitik. Vivian Pollner, Schülerin der Gemeinschaftsschule Marpingen und Sprecherin der Steuerungsgruppe faires Saarland, betonte, dass gemeinsames Handeln zu Veränderungen führe, auch wenn einzelne nur kleine Beiträge leisten könnten. Ein Beispiel dafür ist die Partnerschaft mit der Cashew-Kooperative CCPA BIO EQUITABLE im beninischen Partnerland. Der Vorsitzende Gaya Chabi Boum erklärte, dass der faire Handel dazu beitrage, Kindern bessere Bildung zu ermöglichen und den Produzierenden stabile Preise zu sichern, nachdem früher oftmals Verluste entstanden seien. Die zertifizierten Cashews, die unter anderem in saarländischen Weltläden verkauft werden, zählen zu mehreren Maßnahmen, mit denen das Saarland die geforderten sechs Fairtrade-Kriterien erfüllte.
Hintergrund zur Kampagne und zu Fairtrade
Fairtrade gilt laut einer internationalen Studie von Globe Scan und Fairtrade als das weltweit bekannteste Nachhaltigkeitssiegel. Die Befragung von über 12.900 Personen in 13 Ländern zeigte, dass 83 Prozent der Käufer dem Siegel vertrauen. Diese Zustimmung spiegelt sich auch im Markt wider: 2024 erreichten Fairtrade-Produkte in Deutschland einen Umsatz von 2,9 Milliarden Euro. Gleichzeitig wächst das Engagement der Zivilgesellschaft kontinuierlich. Bundesweit gibt es mittlerweile mehr als 900 Fairtrade-Towns, über 1000 Fairtrade-Schools und 51 Fairtrade-Universities, die sich für nachhaltige Beschaffung und fairen Handel einsetzen.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Fairtrade Deutschland e.V./Veröffentlicht am 07.11.2025