In der Silvesternacht kommt es jedes Jahr zu erheblichen Schäden an geparkten Fahrzeugen durch Feuerwerkskörper. Ein Fachmann der Verti Versicherung AG erläutert, welche Risiken bestehen, wie man vorsorgen kann und welche Versicherungen im Schadenfall greifen.
Zum Jahreswechsel nimmt die Zahl der Fahrzeugbrände und Lackbeschädigungen deutlich zu. Nach Einschätzung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft könnten in der Silvesternacht bis zu 1.000 kaskoversicherte Pkw betroffen sein – eine Größenordnung, die sonst erst im Verlauf eines ganzen Monats erreicht wird. Allein im Jahr 2023 regulierten Versicherer rund 14.200 Pkw-Brände mit einer Gesamtschadenssumme von etwa 100 Millionen Euro. Pro Schaden fielen im Durchschnitt mehr als 7.000 Euro an.
Silvesterfreude mit Nebenwirkungen
Feuerwerk ist für viele Menschen fester Bestandteil des Jahreswechsels, kann für Fahrzeughalter jedoch schnell teuer werden. Nach Einschätzung des Verti-Experten stellen herabfallende Raketen in der Regel kein großes Problem dar, da sie meist lediglich Schmutz hinterlassen, der problemlos entfernt werden kann.
Kritisch wird es hingegen, wenn Feuerwerkskörper direkt auf oder neben einem Fahrzeug explodieren. Rückstände von Schwarzpulver können den Lack angreifen und lassen sich oft nur durch aufwendige Polierarbeiten beseitigen. Tiefe Kratzer sind besonders problematisch, da sie langfristig Rost begünstigen. Sehr kostspielig sind zudem Glasschäden: Bereits der Austausch einer Windschutzscheibe kann mehrere Hundert Euro kosten, beschädigte Seiten- oder Heckscheiben treiben die Rechnung weiter in die Höhe. Besonders gefährlich sind illegale Böller mit hoher Sprengkraft, bei denen Schäden im vierstelligen Bereich keine Seltenheit sind. In Ausnahmefällen kann es sogar zu einem vollständigen Fahrzeugbrand kommen, etwa wenn Feuerwerkskörper ins Wageninnere gelangen. Bei Cabriolets mit Stoffverdeck ist dieses Risiko erhöht.
Haftpflicht reicht nicht aus
Grundsätzlich haftet die Person, die den Schaden verursacht hat. Deren private Haftpflichtversicherung übernimmt die Kosten, sofern kein Vorsatz vorliegt. In der Praxis ist der Verursacher in der Neujahrsnacht jedoch häufig nicht zu ermitteln. In solchen Fällen kommt – sofern vorhanden – die eigene Kaskoversicherung ins Spiel. Wer lediglich über die gesetzliche Kfz-Haftpflicht verfügt, bleibt auf den Kosten sitzen. Die Teilkasko deckt Schäden durch Brand, Explosion und Glasbruch ab, während die Vollkasko zusätzlich auch Vandalismusschäden einschließt.
Ist unklar, ob ein Schaden mutwillig entstanden ist, empfiehlt der Experte, den Vorfall dennoch zu melden und die Einordnung dem Versicherer zu überlassen. Eine sorgfältige Dokumentation sowie eine Anzeige bei der Polizei erhöhen die Chancen auf eine Regulierung. Zu beachten ist jedoch, dass eine Schadenregulierung über die Vollkasko zu einer Rückstufung der Schadenfreiheitsklasse und damit zu höheren Beiträgen führen kann. Bei der Teilkasko bleibt dies aus.
Besonderheiten bei Elektroautos
Auch Elektrofahrzeuge sind vor Silvesterschäden nicht geschützt. Brände sind hier besonders kritisch, da Batterien schwer zu löschen sind und Reparaturen oft deutlich teurer ausfallen als bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Zwar greift auch in diesen Fällen grundsätzlich die Teilkasko, allerdings nur, wenn Batterieschäden ausdrücklich mitversichert sind. Nicht jede Police enthält diese Leistung, weshalb eine genaue Prüfung der Vertragsbedingungen empfohlen wird.
Da viele Versicherungswechsel zum Jahreswechsel erfolgen, stellt sich im Schadenfall häufig die Frage nach der Zuständigkeit. Entscheidend ist der Versicherer, bei dem der Vertrag zum Zeitpunkt des Schadens gültig war. Da die meisten Silvesterschäden kurz nach Mitternacht entstehen, ist in der Regel bereits der neue Versicherer zuständig, sofern der Vertrag ab dem 1. Januar um 0 Uhr wirksam ist.
Vorbeugung in der Silvesternacht und danach
Wer sein Fahrzeug in der Silvesternacht im Freien abstellt, setzt es einem vermeidbaren Risiko aus. Am sichersten ist ein Stellplatz in einer Garage oder einem Parkhaus. Ist dies nicht möglich, empfiehlt sich eine ruhige Seitenstraße oder der Schutz des Autos durch eine schwer entflammbare Abdeckung. Schon eine kurze Planung im Vorfeld kann hohe Reparaturkosten verhindern.
Zusätzlich sollte das Fahrzeug am Neujahrsmorgen umgehend überprüft werden. Mitunter werden Feuerwerkskörper aus Übermut in Auspuffanlagen gesteckt, was gefährlich sein kann. Unabhängig davon gilt: Wer Alkohol konsumiert hat, sollte das Auto ohnehin stehen lassen, da Restalkohol ein deutlich größeres Risiko darstellt als jedes Feuerwerk.
Tippkasten: Fünf Empfehlungen für Autofahrer an Silvester
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Einen sicheren Stellplatz wählen – Garage oder Parkhaus bieten den besten Schutz.
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Eine schwer entflammbare Abdeckung verwenden, um Lackschäden zu reduzieren.
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Kein Feuerwerk vom oder auf dem Auto zünden, da Hitze den Lack dauerhaft schädigen kann.
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Schäden sofort dokumentieren, Fotos anfertigen und die Polizei informieren.
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Versicherungsschutz prüfen: Teilkasko deckt Brand und Glasbruch, Vollkasko zusätzlich Vandalismus.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Verti Versicherung AG/Veröffentlicht am 22.12.2025