Die Deutsche Umwelthilfe lässt die Leistungsfähigkeit des künftigen Stuttgarter Tiefbahnhofs neu untersuchen. Grundlage sollen diesmal nicht theoretische Kapazitätsannahmen, sondern konkrete Daten des tatsächlich gefahrenen Zugverkehrs im heutigen Kopfbahnhof sein.
Anlass sind Äußerungen von Werner Stohler, dem ehemaligen Chef des Schweizer Verkehrsberatungsunternehmens SMA. Das Unternehmen hatte 2011 den sogenannten Stresstest zu Stuttgart 21 auditiert, der dem achtgleisigen Tiefbahnhof eine Kapazität von 49 Zügen in der Spitzenstunde bescheinigte. Der damalige Abschlussbericht trägt auch Stohlers Unterschrift.
Früherer SMA-Chef äußert Zweifel am Stresstest
Stohler hat sich inzwischen deutlich von der damaligen Bewertung distanziert. Gegenüber den Filmemachern Klaus Gietinger und Christoph Engelhardt erklärte er, die damalige Untersuchung sei eine theoretische Kapazitätsbetrachtung gewesen, die aus seiner heutigen Sicht nicht ausreichend die fahrplanmäßige Realität abgebildet habe.
Er habe selbst nicht an die damaligen Kapazitätsberechnungen geglaubt. Auch die mit acht Gleisen erreichbare Anschlussqualität eines Knotenbahnhofs bewertete Stohler rückblickend kritisch. Der SWR berichtet ebenfalls, dass Stohler inzwischen Zweifel an der Aussagekraft des damaligen Stresstests geäußert hat.
Tatsächlicher Zugverkehr soll in Tiefbahnhof übertragen werden
Die Deutsche Umwelthilfe will nun untersuchen lassen, wie sich der heutige Zugverkehr des Stuttgarter Hauptbahnhofs unter realistischen Bedingungen im neuen Tiefbahnhof abwickeln ließe.
Als Datengrundlage dient der tatsächlich gefahrene Bahnverkehr an einem ausgewählten Freitag im September. Für sämtliche an diesem Tag im Stuttgarter Hauptbahnhof verkehrenden Züge sollen unter anderem Ankunfts- und Abfahrtszeiten, Halte- und Wendezeiten, Zugfolgezeiten, Laufwege und Gleisbelegungen ausgewertet werden.
Anschließend wird Zug für Zug geprüft, welche Verbindungen ohne Veränderungen ihrer heutigen Struktur im achtgleisigen Tiefbahnhof störungsfrei abgewickelt werden könnten.
Verspätungen und Fahrgastwechsel fließen in Prüfung ein
Nach Angaben der DUH sollen dabei auch Faktoren berücksichtigt werden, die im täglichen Bahnbetrieb eine wichtige Rolle spielen. Dazu gehören längere An- und Abfahrtswege, Bremskurven sowie die benötigte Zeit für den Ein- und Ausstieg.
Auch die Auswirkungen real auftretender Verspätungen sollen in die Untersuchung einfließen.
DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch bezweifelt, dass der Tiefbahnhof den heutigen und künftig wachsenden Bahnverkehr bewältigen kann. Diese Einschätzung soll mit der neuen Untersuchung anhand tatsächlicher Verkehrsdaten überprüft werden.
DUH fordert Erhalt des Kopfbahnhofs
Die Umwelthilfe spricht sich weiterhin für eine Kombination aus Tief- und Kopfbahnhof aus. Nach Vorstellung der Organisation soll der bestehende Kopfbahnhof erhalten und saniert werden, auch wenn der neue Tiefbahnhof in Betrieb geht.
Resch fordert zudem, die dort direkt angebundene Gäubahn langfristig über den Kopfbahnhof zu führen. Die DUH bezeichnet dieses Konzept als möglichen „Plan B“ für den Stuttgarter Bahnknoten.
Die Deutsche Bahn hält dagegen weiterhin an ihrer bisherigen Bewertung fest. Auf der offiziellen Projektseite erklärt sie, die Leistungsfähigkeit des achtgleisigen Durchgangsbahnhofs sei mit dem Stresstest von 2011 nachgewiesen worden. Durch den später beschlossenen Digitalen Knoten Stuttgart solle die Kapazität zusätzlich erhöht werden.
Debatte über Leistungsfähigkeit neu entfacht
Die Äußerungen Stohlers haben die seit Jahren geführte Diskussion um die Kapazität von Stuttgart 21 erneut verstärkt. Auch andere Kritiker des Projekts fordern nach seinen Aussagen wieder stärker den zumindest teilweisen Erhalt des Kopfbahnhofs.
Die von der DUH beauftragte Untersuchung soll nun anhand konkreter Betriebsdaten zeigen, wie der heutige Zugverkehr unter den Bedingungen des neuen Tiefbahnhofs tatsächlich abgewickelt werden könnte.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Deutsche Umwelthilfe e.V./Veröffentlicht am 24.09.2026 und wurde unter Zuhilfenahme von KI erstellt.